In der Zeit während des 2. Weltkrieges, wurden zwischen sieben und elf Millionen Menschen durch die Nationalsozialisten zur Zwangsarbeit für Deutschland gezwungen. Auch in Oberaußem und Fortuna gab es einige Lager, in denen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene verschiedener Nationalitäten untergebracht waren. Die ausländischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter in der Gemeinde Oberaußem-Fortuna mussten in der hiesigen Landwirtschaft und in den Fortuna-Betrieben der Braunkohlenindustrie arbeiten.

Die Kraftwerke und Brikettfabriken Fortuna und Fortuna-Nord, die Tagebaue Fortuna, Fortuna-Nord und Beisselsgrube. Die Arbeitsbedingungen waren oft unvorstellbar hart. Bekleidung, Unterbringung und Verpflegung waren insbesondere bei den russischen Kriegsgefangenen zum Teil menschenunwürdig.

Am 28. August 1986 veröffentlichte der Kölner Stadtanzeiger im Lokalteil „AN RHEIN UND ERFT“, einen Artikel von Joachim Widmann zum Thema Kriegsgefangene Zwangsarbeiter in Oberaußem. Hier ein kurzer Ausschnitt aus der wörtlich getreuen Abschrift dieses Artikels.


Artikel im Kölner Stadtanzeiger, 28.8.1986, von Joachim Windmann

Auf dem Friedhof in Oberaußem erinnern Gräber an das Schicksal russischer Zwangsarbeiter

Kriegsgefangene mussten im Tagebau arbeiten – Zeugen erinnern sich nicht gern an die Zeit Bergheim-Oberaußem – Im August 1941, starb Baramik Prokopi. Er war russischer Kriegsgefangener in Oberaußem. Später starben dort noch 18 Landsleute von Prokopi, ebenfalls Kriegsgefangene. Ihre Gräber sind heute noch auf dem alten Friedhof in Oberaußem zu finden.

Eine Reihe pultförmiger Granitsteine mit kyrillischer Beschriftung ist alles, was noch an ihr Schicksal erinnert. Die Russen mussten im Kraftwerk, in der Brikettfabrik und im Tagebau Fortuna arbeiten. Dort starben sie auch — an Unterernährung oder durch Luftangriffe. Die meisten fanden in der zweiten Hälfte des Jahres 1942 den Tod.


Anfang der fünfziger Jahre wurden die Kriegsgefangenengräber in der Bundesrepublik, soweit möglich, erfasst. Auch die 19 Grabstellen in Oberaußem erhielten einheitliche Grabsteine und gelten seither als Gedenkstätte. Die kyrillische Beschriftung verhindert jedoch jedes Verständnis, Erläuterungen fehlen und sind nur schwer zu bekommen. Es blieben zwei Reihen kleiner, pultförmiger Grabsteine, unscheinbar zwischen den pompösen Grabmälern auf dem alten Oberaußemer Friedhof, gepflegt von der Stadt Bergheim, die diese Pflicht auf ewig übernommen hat.

Die vorgenannte Kurzdokumentation ist ein Auszug aus einer Ausarbeitung von Ulrich Reimann und Hans Griese. Die komplette Ausarbeitung zum Thema Kriegsgefangene in Oberaußem/ Fortuna können Sie unter folgendem Link nachlesen: https://oaussem.my-hosted-cloud.de

Die beiden Reihen pultförmiger Grabsteine wurden später zu zwei Blöcken und einem Einzelgrab zusammengeführt.

Gegen das Vergessen

Februar 2026

Die Schrift auf den Grabsteinen der russisch und ukrainischen Zwangsarbeiter verschwand im Laufe der Jahre immer mehr, so dass sie irgendwann verschwunden wäre. Ein Team aus dem Stadtteilforum hat es sich zu Aufgabe gemacht, diese Schriften wieder zu rekonstruieren und sichtbar zu machen.

Nach Genehmigung der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Bergheim konnten die Arbeiten in Angriff genommen werden. Wichtig war es hierbei, dass die Schriften richtig gelesen und vorgezeichnet wurden, damit unser Steinmetz Emil Esber *1) die kyrillischen Buchstaben nacharbeiten konnte. Weitere Unterstützung erhielten wir durch die Firma Jörg Scharwat mit der Leihgabe eines Gabelstaplers für den Transport der Grabblöcke sowie durch die Leitung des Bauhofs Niederaußem, die eine Räumlichkeit auf dem Friedhof zur Verfügung stellte.

*1) Emil Esber, Steinmetz und Mitglied im Stadtteilforum Oberaußem e.V., stammt gebürtig aus einem vom Krieg geprägten Land und weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, Erinnerungen zu bewahren. (info@emil-art.de)

Fotos: Stadtteilforum / Foto zum Vergrößern bitte anklicken