Günter Grass, geboren 1927 in Danzig, gehört zu den prägenden Stimmen der deutschen Literatur nach 1945. Seine Herkunft aus der multikulturellen Freien Stadt Danzig, seine Jugend im Nationalsozialismus und die Erfahrungen des Kriegs bildeten den Hintergrund für ein Werk, das sich immer wieder mit Erinnerung, Schuld und gesellschaftlicher Verantwortung auseinandersetzt.

Klein-Arendt (l.), Grass (r.)

Nach dem Krieg fand Grass zunächst als Steinmetzlehrling seinen Weg zurück ins zivile Leben, bevor er in Düsseldorf und Berlin Bildhauerei und Grafik studierte. Diese künstlerische Doppelbegabung begleitete ihn sein Leben lang: Viele seiner Bücher illustrierte er selbst, und seine grafischen Arbeiten sind ein eigenständiger Teil seines Schaffens. In den 1950er Jahren schloss er sich der Gruppe 47 an, wo sein literarisches Talent früh erkannt wurde.

Der große Durchbruch gelang ihm 1959 mit Die Blechtrommel. Der Roman, der grotesken Humor mit scharfer historischer Beobachtung verbindet, machte Grass schlagartig international bekannt und begründete die sogenannte Danziger Trilogie. In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte er eine Reihe bedeutender Werke – darunter Der Butt, Die Rättin und später Ein weites Feld –, in denen er immer wieder die deutsche Geschichte, gesellschaftliche Entwicklungen und die Rolle des Einzelnen darin reflektierte. 1999 wurde sein literarisches Lebenswerk mit dem Nobelpreis für Literatur gewürdigt.

Bis zu seinem Tod 2015 blieb er künstlerisch aktiv. Sein Werk, das Romane, Gedichte, Essays, Grafiken und politische Stellungnahmen umfasst, hat die deutsche Nachkriegsliteratur entscheidend geprägt. Grass hinterließ nicht nur bedeutende Bücher, sondern auch das Bild eines Intellektuellen, der Kunst und gesellschaftliche Verantwortung untrennbar miteinander verband.

Erinnerungen an Günter Grass und seine Beziehung zu Oberaußem

Günter Grass beschreibt in seinem Buch „Die Blechtrommel“ seine Eindrücke von der Aussicht, die er beim Verweilen unter dem mächtigen alten Kastanienbaum auf dem Oberaussemer Friedhof gewann. Die Projektleiter des Stadtteilforums Oberaußem haben in der Sitzung am 09.03.2005 einstimmig beschlossen, an dieser Stelle eine Bronzetafel zum Andenken an Günter Grass zu installieren. Die Gestaltung der Gedenktafel sollte der ehemalige Kommilitone von Günter Grass, der in Oberaußem lebende Bildhauer Heinrich Klein-Arendt, übernehmen.

Bronzetafel an der Friedhofsmauer neben der Grass-Kastanie

Im Rahmen der Geschichtsaufarbeitung von Oberaussem, wurde ein weiterer Beziehungspunkt  zwischen dem „Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass“ und Oberaußem offenkundig. Hierbei handelt es sich um die Grabstelle des einstigen Gemeindevorstehers Johann Nicolin und seiner Ehefrau Gertrud geb. Vasen. Das Grab befindet sich auf dem alten Friedhof von Oberaussem, an der Friedhofsmauer nahe der großen Kastanie. Der erste, dort aufgestellte Grabstein wurde von einem über die Frauweiler Linie mit der Oberaussemer Familie Nicolin verwandten Steinmetz, Julius Göbel aus Düsseldorf Benrath geliefert. Günter Grass hatte 1945/46 als Praktikant bei der Fa. Göbel gearbeitet und war an der Anfertigung und Aufstellung des Grabsteines persönlich beteiligt.

Grabstein, von Günter Grass mitgestaltet

weitere Informationen zu Günter Grass

Grass-Kastanie